Der Anteil der Menschen, die über einen Doktortitel verfügen, lag in den Ländern Deutschland und Österreich bei einem Prozent der Bevölkerung, in der Schweiz bei drei Prozent (OECD, 2016, S. 50) – die Doktorarbeit ist somit eine Möglichkeit, die individuelle akademische Laufbahn zu etwas ganz Besonderem zu machen. Durch die Promotion wird eine Art Alleinstellungsmerkmal erlangt, durch das ein Herausstechen aus einer hohen Zahl an qualifizierten Mitbewerbern für einen angestrebten beruflichen Weg möglich ist. Zudem bietet das Schreiben einer Doktorarbeit die Möglichkeit, sich tiefgehender als in jeder anderen akademischen Arbeit mit einem Thema zu beschäftigen – über mehrere Jahre hinweg und in einem normalerweise selbstgewählten Themengebiet. Somit ist die Doktorarbeit auch eine Art persönliche Prüfung, deren erfolgreicher Abschluss nicht zuletzt Charakterstärke beweist.
Obwohl – oder gerade weil – die Doktorarbeit eine sehr umfangreiche, tiefgehende wissenschaftliche Arbeit darstellt, die viel Vorbereitungs- und Bearbeitungszeit sowie eine gründliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Problembereich erfordert, handelt es sich um ein insgesamt oft schwieriges, da langwieriges und kompliziertes Unterfangen. Nicht in jedem Fall ist das Promotionsvorhaben von Erfolg gekrönt. Immerhin sind mehrere Jahre Arbeit an einem einzigen Thema erforderlich, sodass es durchaus möglich ist, das Interesse zu verlieren. Auch ist denkbar, dass unerwartet andere Aufgaben relevant werden, die in dem Moment wichtiger als das Schreiben der Doktorarbeit sind, sodass Verzögerungen auftreten können oder das Vorhaben gar scheitert.

Erste Schritte

Die ersten Schritte vor dem Beginn des Promotionsverfahrens

Üblicherweise beginnt das Promotionsvorhaben mit der Wahl eines groben Themas für die Promotion oder zumindest der Festlegung einer groben Fachrichtung, in der die Dissertation erstellt werden soll. Innerhalb der gewählten Fachrichtung ist es dann wichtig, eine Betreuerin bzw. einen Betreuer für die Doktorarbeit zu finden. Diese Aufgabe liegt in der Regel in der Verantwortung der bzw. des Promovierenden. Im Rahmen der Findung der Doktormutter bzw. des Doktorvaters, so die Bezeichnung der die Dissertation betreuenden Person, kann beispielsweise bei persönlich bekannten Professorinnen und Professoren angefragt werden. Aber es können auch bislang unbekannte, infrage kommende Personen kontaktiert werden, deren Lehrstuhl etwa eine passende thematische Ausrichtung aufweist. Zu berücksichtigen ist, dass die Chancen auf eine Zusage im Falle einer Bewerbung bei einer unbekannten Professorin bzw. einem unbekannten Professor eventuell geringer sind.

Wichtig vor dem Beginn des Schreibens der Doktorarbeit ist auch die Herausarbeitung einer konkreten Forschungslücke für die Dissertation. Diese kann vor der Suche nach einer betreuenden Person für das Promotionsvorhaben identifiziert werden oder auch mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer gemeinsam festgelegt werden. Zudem sollte bereits bei der Bewerbung um eine Promotionsanstellung bzw. ein Promotionsstudium klar sein, ob intern oder extern promoviert werden soll.

„Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz; denn sie zeigt ihm seine Grenzen.“
Albert Schweitzer

Die Antragstellung

Antragstellung vor dem Schreiben der Doktorarbeit

Wenn eine Betreuerin oder ein Betreuer gefunden und eine Forschungsfrage für die Dissertation ausgearbeitet wurde, kann der offizielle Antrag auf Annahme als Doktorandin bzw. Doktorand gestellt werden. Dieser Antrag, auch als Promotionsgesuch bezeichnet, wird von dem zuständigen Dekanat an der gewählten Universität bearbeitet. In diesem Antrag sind Spezifika sowohl bezüglich der gewählten Problemstellung als auch der betreuenden Person für das Promotionsvorhaben zu benennen.

Info

Der Antrag auf Annahme als Doktorandin bzw. Doktorand muss nicht an jeder Universität gestellt werden. Im Regelfall ist dieser offizielle Schritt allerdings zwingend erforderlich.

Im Rahmen der Bearbeitung des Promotionsgesuchs können vonseiten der Universität zu erfüllende Auflagen benannt werden, wenn etwa die Zulassungsvoraussetzungen für das Promotionsvorhaben nicht vollständig erfüllt sind. Wenn etwa der Fachbereich, in dem die Promotion erfolgen soll, ein anderer ist als der, in dem ein Studium abgeschlossen wurde, dann können Zulassungsvoraussetzungen als Auflage definiert werden. So kann es erforderlich sein, bestimmte Module am Institut zu belegen, um eine entsprechend geforderte Anzahl an ECTS-Punkten in dem relevanten Fachgebiet zu sammeln. Vor dem erfolgreichen Abschluss des Promotionsverfahrens muss dann gegenüber der Fakultät nachgewiesen werden, dass die definierten Auflagen erfüllt worden sind. Wenn dem Promotionsgesuch stattgegeben wurde, ob mit oder ohne Auflagen, beginnt der eigentliche Bearbeitungsprozess der Dissertationsschrift.

Die Verfahrensschritte

Überblick der Verfahrensschritte vor dem Schreiben der Doktorarbeit

Wie vorstehend erläutert wurde, gibt es also bereits vor der eigentlichen Bearbeitung der Dissertationsschrift recht viele wichtige Dinge zu beachten. Übersichtlich dargestellt sind die folgenden Schritte notwendig, bevor das Schreiben der Doktorarbeit beginnen kann:

  • Wahl des Fachbereichs für die Bearbeitung des Promotionsvorhabens
    (idealerweise zu der vorhandenen akademischen Expertise passend)
  • Suche einer geeigneten Betreuerin bzw. eines geeigneten Betreuers
    (Kontaktaufnahme zu Professorinnen bzw. Professoren, die persönlich bekannt oder bislang noch nicht bekannt sind, möglich)
  • Definition einer konkreten Forschungsfrage bzw. Problemstellung
    (Ausgestaltung in Rücksprache mit Betreuerin bzw. Betreuer)
  • Antrag auf Annahme als Doktorandin bzw. Doktorand
    (Promotionsgesuch bei dem zuständigen Dekanat der gewählten Universität)
  • Beginn des Promotionsstudiums / der Anstellung als Promovendin bzw. Promovend
    (darauffolgend Beginn der Bearbeitung der Dissertationsschrift)
Das Schreiben

Das eigentliche Schreiben der Doktorarbeit

Obwohl sowohl vor als auch nach dem Verfassen der Doktorarbeit viele organisatorische Dinge zu beachten sind und diverse Formalien berücksichtigt werden müssen, ist der wichtigste Aspekt des Promotionsvorhabens natürlich das Anfertigen der Dissertationsschrift. Es erspart später viel Arbeit und Mühen, sich über bestimmte Dinge bereits in einer frühen Phase des Schreibprozesses Gedanken zu machen. So sollte zum einen von Vornherein feststehen, mit welcher Software und auf welchem Endgerät die Doktorarbeit verfasst werden soll. Wichtig ist auch, dass relevante Regeln bezüglich der Formatierung der Doktorarbeit und Vorgaben zu der Zitation in der Dissertationsschrift von Anfang an berücksichtigt werden. Je später im Arbeitsprozess Abweichungen oder Fehler bemerkt werden, desto umfangreicher sind dann der Überarbeitungsbedarf und der hierfür erforderliche – auch zeitliche – Aufwand.

Info

Regeln bezüglich der Formatierung, Zitationsweise, dem minimalen bzw. maximalen Umfang der Dissertation und vielen weiteren Aspekten werden individuell von der Universität vorgegeben und sollten in jedem Fall genau beachtet werden.

Neben Überlegungen zu den erwähnten Formalien ist es zudem hilfreich, bereits früh im Schreibprozess einen ersten Gliederungsentwurf für die Doktorarbeit auszuarbeiten. Meist ist dieser sowieso als Teil eines Exposés, das den Anforderungen der Betreuerin bzw. des Betreuers entsprechend verfasst werden sollte, obligatorisch. Aber auch falls kein Exposé erstellt werden muss, hilft eine erste detaillierte Vorstellung von der Gliederung der eigenen Arbeit dabei, einen Zeitplan für die Doktorarbeit aufzustellen und sich an diesen Plan zu halten.

Hier finden Sie unseren Artikel zu dem Thema Exposé der Doktorarbeit

„Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang.“

Marie von Ebner-Eschenbach

Info

Welcher Doktorgrad bei erfolgreichem Abschluss des Promotionsverfahrens verliehen wird, kann sich die Promovendin bzw. der Promovend nicht direkt aussuchen, sondern dies hängt wesentlich von dem gewählten Arbeitsthema, dem Institut bzw. der Fakultät und der Expertise der Betreuerin bzw. des Betreuers ab.

Wie der Schreibprozess abläuft, hängt stark von dem Fachbereich ab, in dem die Doktorarbeit verfasst wird. Zudem spielt die Entscheidung eine Rolle, ob die Forschungsfrage primär durch literaturbasiertes oder empirisches Arbeiten beantwortet werden soll bzw. kann. Darüber hinaus differieren die Anforderungen an Promovendinnen und Promovenden auch je nach dem spezifischen Doktorgrad, der erworben werden soll. So ist ein ‚Dr.-Ing.‘ nicht direkt mit einem ‚Dr. med.‘ vergleichbar; ‚Dr. phil.‘ und ‚Dr. rer. nat.‘ unterscheiden sich ebenfalls stark voneinander. Dementsprechend sind auch der individuelle Schreibprozess sowie die generelle Ausgestaltung der Dissertation unterschiedlich. Während in einigen Fachgebieten das Erlangen eines Doktortitels quasi zum guten Ton gehört, etwa in einigen Bereichen der Medizin, ist in anderen Fachgebieten ein Doktortitel vergleichsweise selten und kommt dann im Ansehen einer besonderen Auszeichnung gleich, deren Erlangung mit viel Aufwand und Mühen verbunden ist, so etwa im Falle des renommierten Doktoringenieurs, kurz ‚Dr.-Ing‘.

Trotz der Unterschiede stellt wohl für alle Promovendinnen und Promovenden, unabhängig von der gewählten Fakultät und der Hochschule der Wahl, das Anfertigen der eigenen Doktorarbeit eine wichtige Station im Leben dar. Dieses Unterfangen erfolgreich gemeistert zu haben, zeugt von Durchhaltevermögen und zeigt den Erwerb umfänglichen Wissens in dem gewählten Themengebiet sowie eine gründliche Einarbeitung in relevante Problemstellungen und offene Fragen auf. Auf rein wissenschaftlicher Ebene wird eine derart intensive Beschäftigung mit einem einzelnen Thema im späteren Leben – und natürlich auch zuvor – bei einem hohen Anteil der Promovierten vermutlich nie wieder stattfinden.

Überlegungen

Wichtige Überlegungen beim Schreiben der Doktorarbeit

Die zuvor erläuterten Überlegungen hinsichtlich des Schreibprozesses der Dissertationsschrift können wie folgt kurz zusammengefasst werden:

  • Auswahl von Software und Computertechnik
    (geeignete Software, verlässliche Technik, häufige Backups)
  • Formatierungs- und Zitationsvorgaben
    (Einhaltung von Vorgaben der Hochschule, Konsistenz)
  • Gliederung und Zeitplanung
    (realistische Zielsetzung mithilfe stets aktueller Gliederungsentwürfe)
  • Fokussierung auf das Ziel
    (Bearbeitung der Forschungsfrage ohne unnötiges Abschweifen)
Die Fertigstellung

Fertigstellung der eigenen Dissertationsschrift – die letzten Schritte

Wenn die Dissertation kurz vor der Fertigstellung steht, sollten einige Dinge berücksichtigt werden, um der Arbeit den letzten Feinschliff zu verpassen. Neben der Kontrolle von Korrektheit und Einheitlichkeit der gewählten Zitationsweise und Formatierung der Dissertation ist auch eine gründliche Prüfung des Inhalts und dessen Verständlichkeit sowie von Rechtschreibung und Grammatik relevant. Dieser Prozess ist nicht nur anstrengend, sondern auch zeitaufwendig – aber unumgänglich. Deshalb kann sich hierfür ein professionelles Lektorat der Doktorarbeit anbieten, wobei auch eine inhaltliche Durchsicht – ein sogenanntes Fachlektorat – inbegriffen sein kann. Im Rahmen eines solchen Lektorats wird häufig auch ein Plagiatsscan angeboten, der sicherstellt, dass es sich bei keiner Textpassage in der Doktorarbeit um ein Plagiat handelt.

Im Rahmen eines Fachlektorats kann auch sichergestellt werden, dass die eingangs identifizierte Forschungslücke tatsächlich adäquat beantwortet werden konnte. Dadurch, dass es sich bei der Dissertation um eine mehrere Jahre Arbeit erfordernde Aufgabe handelt, ist es möglich, dass am Ende des Schriftstücks ein anderes Ergebnis steht, als am Anfang geplant war. Ein wichtiger Aspekt, der bei der Fertigstellung der Doktorarbeit berücksichtigt werden muss, ist also die Frage, ob das am Anfang der Arbeit beschriebene Vorgehen und Ziel mit dem tatsächlichen Ergebnis der Ausführungen zusammenpassen bzw. übereinstimmen.

Erst wenn sowohl Inhalt, Zielerreichung und roter Faden als auch Zitation, Formatierung und Orthografie geprüft wurden, sollte die Dissertation in der Hochschule eingereicht werden. Vor dem Druck und der Abgabe der Arbeit ist es empfehlenswert, mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer Rücksprache zu halten. Möglicherweise möchte die betreuende Person noch Änderungswünsche mitteilen oder ihr Einverständnis vor dem nächstfolgenden Schritt im Promotionsverfahren berücksichtigt wissen. Promovendinnen und Promovenden müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass auch nach der Abgabe der Dissertation noch einige wichtige Dinge beachtet und erledigt werden müssen – so können in der Fakultät etwa mündliche Prüfungen anstehen, bevor der Doktortitel verliehen wird.

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