Zitierfähige Quellen finden

Zitieren oder nicht zitieren – das ist hier die Frage!

Da ist sie endlich: die perfekte Quelle, die den roten Faden Ihrer Arbeit weiterführt. Doch ist sie tatsächlich zitierfähig? So finden Sie es heraus:

In Anleitungen zum Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit ist ein Thema oft nicht weit: das korrekte Zitieren. Auch die meisten Universitäten stellen ihren Studierenden oft umfangreiche Handreichungen zum richtigen Zitieren zur Verfügung. Doch was darf eigentlich zitiert werden?

Authentische Quellen finden

Während die richtige Art des Zitierens in aller Munde ist, fällt die Frage, was denn eigentlich zitiert werden darf, oftmals unter den Tisch. Dabei stellt sich diese Frage nicht nur Studierenden der unteren Fachsemester, sondern bereitet durchaus auch Fortgeschrittenen hier und da Kopfzerbrechen. Wir schlagen uns für Sie durch das Dickicht der zitierfähigen Quellen und klären auf.

Hinweis

Schon der Quellenbegriff ist nicht ganz eindeutig. So ist beispielsweise vor allem in den Geschichtswissenschaften nur dann die Rede von einer ‚Quelle‘, wenn ein zeitgenössisches Originaldokument gemeint ist. ‚Quelle‘ und ‚Literatur‘ sind dementsprechend in den Geschichts- und vielen anderen Gesellschaftswissenschaften zwei voneinander zu unterscheidende Bereiche und werden auch im Literaturverzeichnis so aufgeführt.

Die schlechte Nachricht: Welche Quellen zitiert werden dürfen, lässt sich gar nicht pauschal sagen, sondern hängt ganz massgeblich vom Studienfach und vor allem von der Fragestellung ab. Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten dürften mit bösen Blicken der Betreuungsperson gestraft werden, wenn darin Wikipedia-Artikel zitiert werden.1

1 Krämer, 2009, S. 142.

Oft verteufelt, manchmal aber nützlich! Viele Wikipedia-Artikel sind erstaunlich gut recherchiert und eignen sich auch ohne Zitierfähigkeit dazu, sich selbst erst einmal einen Überblick über das Thema zu verschaffen. Auch sind oftmals Standardwerke in den entsprechenden Literaturlisten angegeben, von denen ausgehend Sie Ihre Literaturrecherche beginnen können.

Wer jedoch beispielsweise eine Abhandlung über den Wissensgehalt von communitybasierten Lexika schreibt, wird gut daran tun, Wikipedia als Quelle anzuführen. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit Zeitschriften. Natürlich ist die Geolino keine wissenschaftliche Quelle – wenn Sie aber informelle Lernprozesse bei Kindern untersuchen, kann die Zeitschrift trotzdem in diesem Kontext zitierfähig sein. Die Frage ist also nicht unbedingt ‚Was können Sie zitieren?‘, sondern: ‚Was können Sie zu welchem Zweck und in welchem Kontext zitieren?‘. Ein sicheres Händchen für die Unterscheidung von Primär- und Sekundärquellen ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Zitierfähige Quellen finden und erkennen

Onlinequellen zitieren

Onlinequellen und ihre Zitierfähigkeit oder Nichtzitierfähigkeit

Die Frage, ob Quellen aus dem Internet zitierfähig sind, spaltet die Wissenschaftsgemeinde und ist zudem sehr dynamisch: Während vor einigen Jahren noch jegliche Internetzitation verteufelt war, verschiebt sich die Wahrnehmung mittlerweile auch bei den Dozierenden. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Gabler Wirtschaftslexikon, das zwar auch in gedruckter Form existiert, aber als Onlinequelle viel schneller auf Veränderungen eingehen kann und dementsprechend eher up-to-date ist als ein gedrucktes Äquivalent. Da es sich hierbei um eine in der Wissenschaftswelt etablierte Herausgeberschaft handelt, ist das Zitieren hier üblicherweise kein Problem.

Generell gelten für das Zitieren von Onlinequellen die folgenden Regeln:2

  • Internetquellen sind dynamisch und unterliegen nicht Ihrer Kontrolle. Notieren Sie das Abrufdatum. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, bietet es sich zudem an, einen Screenshot der Webseite in dem Zustand, in dem Sie sie verwendet haben, anzufertigen und abzuspeichern.
  • Achten Sie auf den Verfasser der Quelle. Im Internet finden sich viele Texte von renommierten Wissenschaftler*innen beispielsweise auf HSOZKULT. Dennoch besteht die Gefahr, dass im Prinzip jeder alles ins Internet schreiben kann. Prüfen Sie also genau, von wem Sie die Richtung Ihrer eigenen wissenschaftlichen Argumentation beeinflussen lassen sollten.
  • Eine Internetquelle sollte immer nur die zweite Wahl sein! Renommierte Forschende, die online publizieren, tun dies zumeist auch in gedruckter Form. Halten Sie Ausschau nach gedruckten Originalbelegen der zu zitierenden Aussage, bevor Sie tatsächlich direkt aus der Onlinequelle zitieren. Eine authentische Internetquelle gibt oftmals auch direkt selbst einen gedruckten Ursprung an.
  • Im Zweifel gilt: Fragen Sie Ihre Betreuungsperson, ob eine Internetquelle vertrauenswürdig ist oder nicht. Mit dieser Absegnung sind Sie auf der sicheren Seite.

Grundsätzlich nicht zitierfähig sind die ebenfalls oft im Internet aufzufindenden Abschlussarbeiten anderer Studierender. Nichtsdestotrotz können diese eine wertvolle Hilfe sein – vielleicht finden Sie beim Stöbern durch deren Literaturverzeichnis den entscheidenden Tipp für Ihre eigene Arbeit.

2 Franck, 2017, S. 296.

Quellenfindung

Checkliste: So erkennen Sie eine zitierfähige Quelle

Trotz aller Ausnahmeregelungen gibt es einige Anhaltspunkte, an denen entlang Sie feststellen können, ob es sich bei Ihrer Quelle um eine zitierfähige handelt:3


Die Antwort auf die Frage, welche Quellen zitierfähig sind, bleibt also: Es kommt darauf an – auf Ihr Studienfach und vor allem auf Ihr Forschungsziel. Sie haben Ihre wissenschaftliche Arbeit fertiggestellt und sind unsicher, ob Sie sich an die Kriterien einer sinnvollen Zitation gehalten haben? Im Rahmen eines Lektorats oder Fachlektorats beraten wir Sie gern zur Eignung und Qualität Ihrer Quellen.

3 Brauner & Vollmer, 2008, S. 98.

Checkliste
  • Verwendet die Quelle selbst eine korrekte Zitation? Ein Negativbeispiel hierfür sind populärwissenschaftliche Ratgeber, die oft selbst nicht angeben, woher ihre Informationen kommen. Finger weg!
  • Ist die in der Quelle vertretene Argumentation wissenschaftlich oder stark von der Meinung des*derVerfasser*in geprägt? Zugegeben: Das lässt sich nicht immer so einfach feststellen. Viel Meinung mit wenig Beleg sollte Sie aber immer misstrauisch machen.
  • Gibt es eine nachvollziehbare Methodik und ist diese offengelegt? Forschungsergebnisse, die aus dem Nichts auftauchen und als einzige Wahrheit dargestellt werden, sind ein Grund zur Vorsicht.
  • In welchem Setting haben Sie die Quelle aufgefunden? Bei Veröffentlichungen in anerkannten (wissenschaftlichen) Verlagshäusern, namhaften Herausgebern, nachvollziehbaren Kooperationen mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen oder in etablierten wissenschaftlichen Journals sind Sie eigentlich immer auf der sicheren Seite.
Verwendete Literatur
  • Brauner, D. J. & Vollmer, H.-U. (2008). Erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten. Sternenfels: Verlag Wissenschaft und Praxis.
  • Franck, N. (2017). Handbuch Wissenschaftliches Arbeiten. Was man für ein erfolgreiches Studium wissen und können muss. Stuttgart: UTB.
  • Krämer, W. (2009). Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Frankfurt: Campus.
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