Worauf Sie beim Schreiben eines Juristischen Gutachtens achten sollten

Auf dieser Seite erfahren Sie alles, was Sie beim Schreiben eines juristischen Gutachtens beachten müssen.

Was ist ein juristisches Gutachten und wozu wird es benötigt?

Das Verfassen eines juristischen Gutachtens zählt zu den Kernkompetenzen innerhalb des Jus-Studiums. Das Gutachten zielt auf die rechtliche Bewertung eines konkreten Lebenssachverhaltes. Die Bewertung des Lebenssachverhaltes folgt einem logischen Aufbau, einer Art Lösungsweg, welcher erst am Schluss das Ergebnis präsentiert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein didaktisches Instrument der Lehre, sondern auch nach Beendigung des Studiums begleitet den Juristen bzw. die Juristin das Gutachten stets im beruflichen Alltag. Das Verfassen eines Gutachtens vor einer Entscheidungsfindung ist insbesondere an Gerichten ein elementarer Zwischenschritt, womit oftmals Rechtspraktikanten befasst werden. Doch auch Rechtsanwält*innen und Staatsanwält*innen sind mit dem Verfassen von juristischen Gutachten vertraut.

Im universitären Bereich wird das juristische Gutachten oftmals in Übungen bzw. Kursen verlangt und bewertet. Mit dem Verfassen eines Gutachtens sollen die Studierenden die wissenschaftliche Arbeitstechnik (Formalia) und das inhaltliche Können im Rahmen der rechtlichen Bewertung unter Beweis stellen.


Formaler Aufbau

Es gibt keinen verallgemeinerbaren Aufbau für ein juristisches GutachtenDer formale Aufbau hat streng dem zu prüfenden Lebenssachverhalt zu folgen. Handelt es sich etwa um eine Aufgabe, welche die Überprüfung eines Akts unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt intendiert, kann zwar auf ein allgemeines Schema zurückgegriffen werden (A. Zulässigkeit B. Begründetheit C. Ergebnis), es muss jedoch im Einzelfall darauf geachtet und stets überprüft werden, ob die bekannten Schemata aus dem Zivilrecht, öffentlichen Recht und dem Strafrecht auf den konkreten Sachverhalt übertragen werden können. Oftmals schleichen sich hier kleine – vermeidbare – Fehler ein, wenn Onlineschemata unreflektiert übernommen werden.

Ein juristisches Gutachten setzt sich in der Regel aus diesen Bestandteilen zusammen:

  • Deckblatt
  • Sachverhalt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Literaturverzeichnis
  • Gutachten

Beispiel eines Musterschemas
A. Zulässigkeit
B. Begründetheit
I. Ermächtigungsgrundlage
II. Formelle Rechtmässigkeit
1. Zuständigkeit
2. Verfahren
3. Form
III. Materielle Rechtmässigkeit

Einhaltung der Formalia

Jede Hochschule bzw. rechtswissenschaftliche Fakultät hat eigenständige Regeln für das wissenschaftliche Arbeiten sowie Zitierregeln veröffentlicht, die zwingend bei der Bearbeitung eines juristischen Gutachtens zu berücksichtigen sind:

  • Vorgaben zu Seiten- oder Zeichenzahl
  • Vorgaben zum Layout (z. B. Seitenränder)
  • Zitierweise (z. B. nach AZR)
  • Anforderungen an das Literaturverzeichnis (z. B. Umfang, Darstellung, Nennung von Vor- und Nachnamen der Autor*innen)
  • Anerkennung von Onlinequellen

Die Einhaltung dieser Regeln wird oftmals vernachlässigt. Das ist ein fataler Fehler, denn die Formalia stellen die metaphorische Visitenkarte des juristischen Gutachtens dar. Sind bereits die Formalia fehlerhaft und vernachlässigt worden, schlägt sich dies im Rahmen einer Korrektur zumeist negativ nieder. 

Tipp

Legen Sie sich eine vorformatierte Datei mit den Layoutvorgaben Ihrer Fakultät an und stellen Sie ein automatisches Inhaltsverzeichnis ein. Mit dieser Musterdatei können juristische Gutachten schneller erstellt werden und Sie können sich auf die Einhaltung der Formvorgaben verlassen.

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„Juristisches Gutachten schreiben“ versus „juristische Seminararbeit schreiben“

Im Rahmen des letzten Studienabschnitts haben die Studierenden im Jus-Studium auch Seminararbeiten zu schreiben, die sich vom juristischen Gutachten unterscheiden.

Juristisches Gutachten

Juristische Seminararbeit

Konkreter Lebenssachverhalt („Fall“) im Umfang von 1-3 Seiten

Kurze Fragestellung: z. B. „Ist der Anspannungsgrundsatz ein tragfähiges Modell zur Ermittlung der Unterhaltshöhe?“

Aufbau orientiert sich an den möglichen Lösungswegen

Einleitung, Hauptteil und Fazit sind bei einer Seminararbeit üblich

Literaturrechercheaufwand gering

Literaturrechercheaufwand hoch, da gesteigerte Anforderungen

Keine bzw. wenig eigene Meinung/Wertung erforderlich

Eigene Meinung ist essenzieller Bestandteil, da Seminararbeiten grds. nicht deskriptiv sein sollen!

Umfang ist von den universitären Vorgaben abhängig

Umfang ist von den universitären Vorgaben abhängig

Einhaltung der Formalia wichtig

Einhaltung der Formalia wichtig

Keine Präsentation notwendig

Oftmals Präsentation bzw. mündliche „Verteidigung“ der Seminararbeit erforderlich

 

Zur Arbeitsmethodik 

Worauf sollten Sie beim Schreiben eines juristischen Gutachtens, inklusive Lösungsskizze, achten?

Mit der juristischen Methodik kann der Lebenssachverhalt gefiltert und analysiert werden:

  • Lesen Sie den Sachverhalt mehrmals langsam und sorgfältig.
  • Die Kernfrage: Welche Informationen sind wichtig?
  • Schreiben Sie sich beim Lesen Ideen zu Anspruchsgrundlagen oder Normen an den Rand.
  • Zeitangaben markieren! Konkrete Daten sind meist ein Hinweis auf Fristprobleme!
  • Personen herausarbeiten! Wenn mehrere Personen involviert sind, kann es hilfreich sein, eine Skizze zur Beziehung der Personen untereinander zu erstellen!
  • Erstellen einer Lösungsskizze.
  • Grundprinzipien beachten, z. B. Kausalprinzip, Zug-um-Zug-Prinzip
  • Problemschwerpunkte setzen! Das Darstellen abstrakter Theorien, ohne Bezug zum Sachverhalt ist ein gravierender Fehler, der zu massiven Punktabzügen führen kann.

Zur Bearbeitung eines juristischen Gutachtens ist der Gutachtenstil unerlässlich:

  • Obersatz
  • Voraussetzungen/Definition
  • Subsumtion
  • Konklusion

Ein gelungenes juristisches Gutachten zeichnet sich durch den sicheren Einsatz des Gutachtenstils an Problemschwerpunkten und einen Übergang zum Urteilsstil bei offensichtlich unproblematischen oder unwesentlichen Punkten aus.

Hinweis

Es wird einfacher für Sie, wenn Sie beim Erstellen der Lösungsskizze zum Verfassen des juristischen Gutachtens bereits mit der Literatur arbeiten, die Sie für das Gutachten verwenden wollen, und zugleich parallel ein Literaturverzeichnis anlegen. Das parallele Anlegen des Literaturverzeichnisses erspart die lästige und zeitaufwendige Arbeit nach dem Fertigstellen. Dadurch ist nur noch ein Abgleich der Quellen in den Fussnoten mit dem Literaturverzeichnis erforderlich, um ein Versehen aufzufinden => Arbeiten Sie mit der Suchfunktion Ihres Textverarbeitungsprogrammes und geben Sie die Titel oder Autorennamen ein, um schneller arbeiten zu können.

Die Ausarbeitung – so schreiben Sie ein juristisches Gutachten

  1. Der juristische „Lösungspfad“ bzw. die Lösungsskizze
    Wenn Sie mit dem Verfassen des Gutachtens beginnen, sollten Sie stets als Leitfaden Ihre Lösungsskizze im Blick behalten. In einem juristischen Sachverhalt sind in der Regel mehrere Fallstricke angelegt, die ein Abbiegen an den falschen oder unnötigen Stellen ermöglichen. Es mag zwar verlockend wirken, einen bekannten Streit „noch schön einbauen“ zu können, aber fallen Sie darauf nicht herein! Die von Ihnen herausgearbeiteten Schwerpunkte helfen, eine grobe Gewichtung vornehmen zu können.
  1. Die innere Stimmigkeit
    Achten Sie bei mehreren Teilaufgaben, unterschiedlichen Ansprüchen und verschachtelten Prüfungen auf eine innere Stimmigkeit. Sie können Voraussetzungen in einer Teilaufgabe nicht bejahen und diese in einer anderen Teilaufgabe ablehnen – Widersprüche sind unbedingt zu vermeiden!
  1. Der Sprachstil
    Neben dem formalen Erscheinungsbild (Formalia) prägt insbesondere der Sprachstil die Benotung durch den Korrektor bzw. die Korrektorin. Achten Sie hier auf einen nüchtern sachlichen Wissenschaftsstil. Ausschmückende Adjektive, Polemik und Metaphern sollten ebenso wie wörtliche Zitate vermieden werden. Studierende neigen oftmals dazu, einen sachlichen Wissenschaftssprachstil mit einer hohen Anzahl an (lateinischen) Fremdwörtern zu verwechseln. Die Verwendung solcher Fachtermini ist jedoch kein Garant für eine gute Bewertung, sondern führt im Fall einer Verwechslung gerade zu Punktabzügen.
  1. Vertretbarkeit der inhaltlichen Darstellung
    Ein Satz, den alle Jurist*innen zugleich lieben und hassen: Es kommt darauf an. Es gibt oftmals keinen geradlinigen Lösungsweg, sondern mehrere Auffassungen sind vertretbar. Achten Sie aber darauf, dass ein Abweichen von der herrschenden oder überwiegenden Auffassung (z. B. mit m. M. oder a. A. in Lehrbüchern gekennzeichnet) stets eines erheblichen Argumentationsaufwandes bedarf. Dort, wo sich bisher noch keine herrschende Meinung herauskristallisieren konnte, ist es ein wichtiger Teil des juristischen Gutachtens, die unterschiedlichen Auffassungen zu vergleichen und Stellung zu beziehen.
Hinweis

Vermeiden Sie Schachtelsätze. Ziehen Sie lange Sätze auseinander und stellen diese in kurze prägnante Sätze um. Sprachforscher haben festgestellt, dass verständliche Sätze nicht mehr als 10-15 Wörtern enthalten sollten. In der Rechtswissenschaft können Sätze mit 20 Wörtern noch als verständlich erachtet werden. Sollten Sie jedoch diese Anzahl erheblich übersteigen, liegt die Annahme nahe, dass der Korrektor bzw. die Korrektorin sich beim Lesen besonders konzentrieren muss und Ihre Logik nicht nachvollziehen kann – das geht zu Ihren Lasten!

Finish – Darauf müssen Sie beim Feinschliff achten

Wenn die inhaltliche Ausarbeitung fertiggestellt ist, sollten Sie sich Zeit nehmen und eine Checkliste durchgehen:

  1. Sind Rechtschreibung, Syntax und Interpunktion ordentlich?
  1. Sind alle Behauptungen mit Belegen in den Quellen gekennzeichnet worden?
  1. Sind Quellen vorhanden, die unnötig sind? (z. B. Belege im Rahmen der Subsumtion!)
  1. Stimmen die Belege in den Quellen mit dem Literaturverzeichnis überein?
  1. Wurde einheitlich zitiert? (Autorennamen kursiv, Vor- und Nachname, Erscheinungsjahr, Zeitschriften usw.)
  1. Sind die Gliederungsebenen korrekt?
  1. Bestehen inhaltliche Widersprüche? (Hier wäre ein kurzer Abgleich mit der Lösungsskizze sinnvoll)
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